"Arbeitsfeld Frieden im Dekanat Cochem im Bistum Trier"

WDR-Radio-Reportage vom 18. November 2018: "Arbeitsplätze wichtiger als der Weltfrieden?“

Dechant Walter Fuß (seit Nov 2019 im Ruhestand) und Pastoralreferentin Veronika Rass äußerten sich in dieser TV-Reportage im Herbst 2018 klar und deutlich - unter Berufung auf (a.) Papst Franziskus, (b.) Bischof Ackermann und (c.) den Evangelisten Johannes - GEGEN DIE US-ATOMBOMBEN, DIE IN BÜCHEL STATIONIERT SIND.


MITSCHRIEB, Minute 10:49 bis 15.00 [Anmerkung: Dechant Walter Fuß; damals war er noch nicht im Ruhestand. Die Redaktion.]

Dechant Fuß „Vieles, was wir tun, tun wir rein mechanisch, ohne zu überlegen – auch für den Frieden beten, in Fürbitten. Wir haben aber letzten Endes nicht mehr eine sich daraus ergebende Konsequenz vor Augen. Das ist ´ne Haltung, die ich leider in unserem katholisch praktizierten Glauben oftmals wahrnehme.“

 

Walter Fuß ist Dechant und damit oberster Dienstherr des Dekanats in Cochem mit seinen überaus vielen Gläubigen. Knapp 80% der 62.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises Cochem-Zell sind katholisch. Der Dechant und seine Pastoralreferentin Veronika Rass treffen sich häufig im Gemeinderaum in Ulmen. Im Vorraum hängt neben dem Bild des Trierer Bischofs Ackermann ein Portrait von Papst Franziskus, der den Besitz von Atomwaffen und das globale Wettrüsten schon mehrfach verurteilt hat. Die Kirche müsse sich dagegen einsetzen, meint auch Dechant Fuß:

 

„Das hat unser Bischof ja auch als Vorsitzender der Kommission Justitia et Pax getan, was hier nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen ist. Also da waren sehr viel Menschen auch ungehalten. Er hat es dennoch getan. Ich brauch´ auch nicht unbedingt einen Papst Franziskus, der mir sagt, dass der mir sagt, dass er gegen die Atomwaffen ist; das steht in der Heiligen Schrift drin. Wenn Jesus im Johannes-Evangelium sagt, im 10. Kapitel: `Ich will das sie das Leben haben, und es in Fülle haben.´“

 

Hier in der Eifel muss der Seelsorger, etwa wenn er im Sinne der Friedensbewegung predigt, mit Gegenwind rechnen. „Ich tu das, von Zeit zu Zeit, werde dann auch angefeindet. [Dennoch ist es meine Meinung, dass] das Leben mit Christus und das Evangelium mit Atomwaffen nicht vereinbar ist. Und dass wir uns davon distanzieren müssen. Wenn ich das so sage, krieg´ ich als Reaktion, ich hätte das nicht alles im Blick, was ich dabei im Blick haben müsste. Oder hier hängen Arbeitsplätze dran. Oder ehemalige Bundeswehrsoldaten, die dann kirchlich engagiert sind [sagen], dass es eben der Abschreckung dient; … ich kann es von Zeit zu Zeit immer noch einmal wiederholen, letzten Endes überzeugt bekomme ich die Menschen nicht, weil hier ihre Existenz dranhängt.“

 

Zuständig für die Friedensarbeit in den katholischen Gemeinden ist vor allem die Pastoralreferentin Veronika Rass. Mit einer Handvoll Menschen aus der Region und einigen Auswärtigen hat sie im Sommer 2016 direkt vor dem Haupteingang des Fliegerhorstes einen Bildstock eingeweiht. Es ist eine kaum noch praktizierte, jahrhundertealte Tradition bei Sorge um den Frieden und großer Gefahr solche religiösen Kleindenkmäler errichten. Eingraviert auf eine Schiefertafel zeigt dieser Bildstock Jesus, der ein Gewehr zerbricht. Mit der Bildunterschrift: „Atomwaffen sind ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit.“

 

[Veronika Rass:] „In dieser Feier zur Einweihung dieses Bildstocks, der ja von Pax Christi und vom Internationalen Versöhnungsbund errichtet wurde, hab´ ich das Wort ergriffen und meinen Respekt und meine Hochachtung denen zum Ausdruck gebracht, die seit 20 Jahren demonstrieren gegen Atomwaffen.“

 

Auch Elke Koller war dabei, die schon vielen Jahren Mitglied des Internationalen Versöhnungsbundes ist. Dass die Anwesenden und ihr Engagement ein Jahr später eine hohe Auszeichnung bekommen, hat die Pastoralreferentin begeistert.

 

[Veronika Rass:] „Und heute stehe ich hier, und sage, ich beglückwünsche Euch, ich gratuliere Ihnen zur Verleihung – zu dieser Auszeichnung, zur Verleihung des Friedensnobelpreises. Und die Menschen, die an dem Tag dort zusammenkamen,  die zum Internationalen Versöhnungsbund gehören, sind Teil von ICAN.“

 

Viele Gemeindemitglieder gibt es nicht, die die Begeisterung der Pastoralreferentin für die Vergabe des Friedensnobelpreises 2017 an ICAN teilen…